Der faire Nikolaus mit einem bitteren Nachgeschmack

07.11.2019 13:27

Wir starten diese Blogrubrik jahreszeitengemäß mit einem erst kürzlich endeckten „fairen“ Nikolaus aus einem Supermarkt. Wir haben diesen zertifizierten Nikolaus mal auf Herz und Nieren bzw. seine Fairness geprüft und dann aufgegessen. So viel sei vorab schon verraten, es gab einen bitteren Nachgeschmack.

Es kommt die stille Zeit und viele Menschen sind auf der Suche nach Geschenken für Groß und Klein. Natürlich soll es auch für die Kleinsten ein faires Fest sein. Und weil wir im Norden gerne den Süden retten, will man/frau vor allem zu Weihnachten etwas Gutes tun. Nachdem der/die kritische KonsumentIn weiß, dass es gerade bei der Schokolade und der Kakaoproduktion nicht immer (oder eher selten) fair zugeht, legt man/frau Wert auf einen fairen Nikolaus. Erst kürzlichen haben wir einen solchen fairen Nikolaus in einem Supermarkt gesehen. Nachdem es diesen Nikolaus in vielen verschiedenen Supermärkten gibt und wir keine bestimmte Kette oder Marke bewerben/anprangern wollen, haben wir unseren Nikolaus anonymisiert. Was uns aber wichtig war, ist anzumerken, dass dieser Nikolaus ein Siegel auf dem Mantel trägt – das Fairtrade Cocoa Programm Siegel. Das freut das faire Herz, oder etwa nicht? Nicht wirklich, denn das Siegel besagt nämlich, dass nur der Kakao FAIRTRADE zertifiziert ist, nicht aber die restlichen Zutaten, wie z.B. der Zucker. Der/die kritische KonsumentIn weiß laut Aussage von FAIRTRADE natürlich, dass eben nur der Kakao zertifiziert ist. Wir hegen allerdings ein klein wenig Zweifel daran, dass alle KundInnen so gut informiert wurden.

Das Siegel der Nikoläuse

Werfen wir als nächstes einen Blick auf den Kakaoanteil und sehen, dass dieser 33% beträgt. Hört sich ja nach einem kräftigen Schluck an. Schnell einen Taschenrechner genommen und mal mit dem Fairtrade Kakao Preis hochgerechnet. Gut, da kommen wir auf ein wenig über 5 Cent (je nach Dollarkurs). Na ja, eine große Fete schmeißt man da selbst in Ghana nicht.  Wir wollen aber nicht unfair sein und darauf hinweisen, dass bei so einer kleinen Kakaomenge auch der Ertrag der echt fairen Nikoläuse nicht für eine Party reicht. Natürlich bekommt der Bauer mehr davon, als bei seinem Supermarkt-Cousin, aber die Welt können wir leider nur mit Nikoläusen nicht retten.

Wir wollen aber niemandem Unrecht tun, und setzen deshalb diese 5 Cent in Relation zum Verkaufspreis, da wird es sicher besser. Oder doch nicht? Nun die 5 Cent machen gerade mal 3,5% des Verkaufspreises aus. Oje, oje, aber bestimmt ist der Hersteller des Nikolauses zu 100% fair und macht das durch viele tausend Tonnen fairen Kakao wieder wett. Aber weit gefehlt. Auf der Herstellerseite finden wir überhaupt kein einziges Fairtrade Produkt, sondern nur sogenannte „konventionell“ hergestellte Schokolade. Das bedeutet, dass dieser Händler vermutlich das ganze Jahr ein „gutes Händchen beim Rohstoffeinkauf hatte“ (wörtliches – leider ernst gemeintes – Zitat einer Wirtschaftszeitung). Übersetzt bedeutet das, dass möglicherweise ein paar Kinder abends etwas länger arbeiten mussten, um den guten Rohstoffpreis halten zu können. Schließlich wollen die 5 Cent auch wieder irgendwo verdient werden. Aber was soll‘s, ist eben ein Produkt von Kindern für Kinder (ich weiß, der Humor ist jetzt grenzwertig). Grenzwertig ist allerdings auch der Aufdruck auf unserem „fairen“ Nikolaus: Da steht etwas von „mit Mengenausgleich“. Das bedeutet, dass der 33% zertifizierte Fairtrade Kakao Anteil in unserem Nikolaus nur 10% oder 5% beträgt. Schlimmstenfalls auch, dass in dem von uns gekaufte Nikolo überhaupt gar kein zertifizierter Kakao drinnen ist. Das macht aus unserer Sicht den netten Nikolaus aber nun wirklich zum fairen Schmäh. Dieser Schmäh wird bestimmt auch heuer wieder von etlichen Organisationen zum Anlass genommen, die tollen Entwicklungen im fairen Handel zu loben und uns zu animieren, beim Supermarkt weiterhin Gutes für ärmere Länder zu tun.

Warum in einem Produkt, das mit dem Aufdruck „mit Mengenausgleich“ gekennzeichnet wurde, möglicherweise gar nichts Faires drinnen ist, werden wir übrigens in einem der kommenden Blogeinträge genauer erklären. Wer Lust hat, kann dies gerne schon vorab ein wenig googlen. Vielleicht nicht nur auf den Seiten der großartigen fairen Händler, sondern etwas ausführlicher, denn wie uns der Nikolausmantel zeigt, könnten darunter nicht nur die guten Gaben, sondern auch ein wenig Bitteres versteckt sein.

Unser anonymer Nikolaus