Steht GOTS drauf, ist Fairness drin

28.11.2017 10:28

#2 aus unserer Artikelserie über Das richtig faire Shirt

Amila* vernäht Bio-Baumwolle zu flauschig weichen Pullis. Wenn sie um 8 Uhr Früh zu ihrem Tisch geht, beginnen auch die Nähmaschinen der anderen bereits zu rattern. Neben der Maschine ist auf ihrem Holztischchen noch Platz für einen Stapel roter Stoffe mit hübschem Blumenaufdruck. Alles aus Bio-Baumwolle, die von nahe gelegenen Kleinbauern stammt. Amila setzt sich auf ihren Stuhl, nimmt ein Stück Stoff, zieht es durch die Nähmaschine und legt es am Nebentisch ab. So schnell, dass sofort klar wird, dass sie schon länger in der Fabrik arbeitet. Im Nebenzimmer wird inzwischen das GOTS-Siegel auf einem meterlangen Tisch mit Naturfarbe auf dünnen Stoff gedruckt und später an die Pullis genäht. In der großen, lichtdurchfluteten Halle stehen etwa fünfzig Tische, dicht, aber nicht gedrängt. Um 17 Uhr steigt Amila in den Bus und fährt nachhause. Ihre Arbeitszeiten sind geregelt, was in Kolkata nicht unbedingt üblich ist. Amila arbeitet in einem GOTS-zertifizierten Betrieb.

Was ist GOTS?

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein weltweiter Standard für die Verarbeitung von Bio-Fasern, der auf die Umwelt achtet, indem er nur Bio-Rohstoffe zulässt, und obendrein auch soziale Aspekte wie die Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung der Näherinnen kontrolliert. Alle Kriterien, die von der Herstellung über Verpackung bis zum Vertrieb abgedeckt werden müssen, sind verpflichtend. Kurz erklärt sind das die wichtigen Richtlinien, wer noch mehr nachlesen will, klickt hier: www.global-standard.org!

Bio-Faser: Vernäht werden dürfen nur Rohstoffe - wie zum Beispiel Baum- oder Schafwolle - die zu mindestens 70 Prozent bio sind. Am Etikett steht dann hergestellt aus 70% kbA Fasern. Wenn nichts dran steht, sind sie zu mindestens 95 Prozent aus Bio-Rohstoffen.

Umweltfreundliche Produktion: Ein Betrieb, der GOTS-zertifiziert ist, sorgt sich um die Umwelt. Ein eigenes Umweltschutzprogramm minimiert Abfälle wie Abwässer, verwendetes Papier oder Pappe muss FSC-, PEFC-zertifiziert oder recycelt sein. Schädliche Stoffe wie Chlor oder PVC sind verboten. Sind chemische Zusätze unbedingt nötig, das kommt etwa bei den Farbstoffen vor, muss genau geprüft sein, ob sie etwa die Anforderungen bezüglich biologischer Abbaubarkeit erfüllen.

Sozial nachhaltig:Dass die MitarbeiterInnen fair behandelt werden, dafür sorgen strenge Richtlinien, die sich im Grunde an die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) halten: Es gibt weder Kinder- noch Zwangsarbeit oder Diskriminierung, dafür Arbeitnehmervertreter und einen gesicherten Mindestlohn, geregelte und begrenzte Arbeitszeiten. Der Arbeitsplatz ist sicher und hygienisch.


*Amila steht beispielhaft für eine der fair entlohnten, in einem GOTS-Betrieb arbeitenden Näherinnen.